Der erste lesbischwule Bogensportverein Deutschlands und Europas

Einen eigenen Verein für Schwule und Lesben im Bogensport – braucht es das? Wir sind der Meinung: Ja. Weil wir sind, wer wir sind. Und …:

Vorgeschichte: als Bowlingclub

Am 27. Juli 2012 hat ein kleiner Kreis von sechs Bowlingfreunden in der Berolina Bowling-Lounge einen eigenen Club gegründet, um den Spaß an ihrem Sport etwas zu intensivieren. Der Club entwickelte sich schnell zum Verein in Schöneberg-Tempelhof. Schon in der Wintersaison 2012/2013 konnten wir mit zwei Mannschaften bei den BBV-Meisterschaften mitspielen.

Zum ersten Januar 2013 wurden wir ins Vereinsregister eingetragen. Im selben Jahr wurde uns die Gemeinnützigkeit zuerkannt.

Dieser Club war ausgewogen hetero-homosexuell – jedoch wurde er von außen von Anfang an als „schwul“ wahrgenommen. Und darauf reagierte die Bowlingszene diskriminierend. Wir – also Homo- wie Heterosexuelle gleichermaßen – mussten uns dagegen zur Wehr setzen. Ob wir wollten oder nicht.

So haben wir im Frühjahr 2013 den Aktionstag „Strike für alle“ organisiert – einen Sporttag gegen die weitverbreitete homophobe Diskriminierung im Berliner Bowlingsport. Schirmherrin dieses Sporttags war Angelika Schöttler, Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg; sie ist auch Ehrenmitglied unseres Vereins.

Geschichte: als Bogensportverein

Anfang 2013 haben wir zusätzlich eine Abteilung für den Bogensport gegründet. Auch sie entwickelte sich rasch positiv. Wir konnten schon im Herbst 2013 das Training in einer Sporthalle in Schöneberg aufnehmen, also in ungewöhnlich verkehrsgünstiger Lage in der Stadt.

Die World OutGames 2013 in Antwerpen waren für uns als Verein ein großer Erfolg: Diverse Sportler brachten Gold-, Silber- und Bronzemedaillen mit nach Hause.

Ebenfalls im Sommer 2013 haben wir unser Sportangebot zum ersten Mal auf dem Stadtfest am Nollendorfplatz präsentiert. Hierbei fand gerade das Bogenschießen enorm Anklang. Diesen Erfolg konnten wir 2014 wiederholen.

Im Sommer 2014 stellte unsere Bowlingabteilung ihre Tätigkeit ein. Hierfür gab es unterschiedliche Gründe; die Ermattung durch den andauernden Kampf gegen homophobes Mobbing spielte dabei eine nicht unerhebliche Rolle.

Als reiner Bogensportverein haben wir die Sache nun anders angepackt. Wenn man uns zum „schwulen“ Verein erklärt, unabhängig davon, ob wir es sind, oder nicht, können wir uns auch selbst dazu erklären – unabhängig davon, dass wir Mitglieder haben, die heterosexuell sind. (Und prompt waren wir mit der Frage konfrontiert, warum wir denn einen „schwulen“ Verein brauchen … hier beißt sich die Katze in den Schwanz.) Egal; wir machten was draus. Einerseits – weiß seit der „Umfirmierung“ nun jede/-r, woran er/sie bei uns ist, und wenn sie/er damit ein Problem hat, kann er/sie auf Abstand gehen. Andererseits – sind wir ein LSBTTIQ*-Verein der neuen Generation: Unser Konzept ist es, Heterosexuelle auch als Mitglieder willkommen zu heißen. Wir schaffen eine liberale Atmosphäre im Inneren, einen Schutzraum, der jedem/jeder ihren/seinen Freiraum lässt. Die Begegnung und die gegenseitige Unterstützung im gemeinsamen Sport sind es, die für ein Kennenlernen und für Toleranz sorgen. Es ist uns gelungen, einen machofreien Raum zu schaffen und zu sichern, in dem jede/-r ihrem/seinem Sport ungehindert nachgehen kann. Ganz nebenbei sind wir damit der Bogensportverein mit dem höchsten Frauenanteil Berlins geworden! Über 50 % – es könnte sogar sein, dass wir damit die  Bogensportwelt sogar deutschlandweit toppen.

Im August 2014, nun als reiner Bogenverein, beteiligten wir uns an den Queerspielen Berlin 2014. Dieses Event sollte es speziell LSBTTIQ*-Menschen ermöglichen, zahlreiche Sportarten in entspannter, diskriminierungsfreier Umgebung kennenzulernen. Unsere Bogenkurse waren schon kurz nach Anmeldebeginn ausgebucht. Vor Ort haben wir zusätzlich das Bowling mitbetreut.

2015 konnten wir unseren Bogensportpark in Berlin-Westkreuz eröffnen. Das Publikumsinteresse war enorm. Es schlossen sich viele Schnuppertage und Anfängerkurse an, und nicht wenige der Teilnehmer/-innen sind sogar anschließend Mitglied bei uns geworden. Auf unserem Gelände in Westkreuz können wir bis 50 m schießen. Die Wettkampfdistanzen 60 m (Frauen) und 70 m (Herren) deckt das nicht ab. Um diese Entfernungen zu schießen, können wir seit 2015 (zeitlich eingeschränkt) das Reiterstadion im Olympiapark Berlin als Trainingsstätte nutzen. Hier trainieren unsere fortgeschrittenen Schützen die Distanzen bis 70 m.

2016 haben wir am IDAHO (International Day Against HOmophobia, 17.5.) einen Tag der Offenen Tür für den Bogensport in Westkreuz abgehalten und uns erneut auf den beiden schwullesbischen Events Parkfest Friedrichshain und Stadtfest Nollendorfplatz präsentiert.

Seit 2016 ist das Deutsche Schützenwesen eingetragen in die (Unesco-)Liste des Immateriellen Kulturguts Deutschlands und somit als Teil des deutschen Immateriellen Kulturguts anerkannt. Wir sind stolz darauf, hierzu unseren Beitrag zu leisten; gern zeigen wir dies durch die Verwendung des Logos.

Eine Frucht unserer Arbeit ist, dass wir inzwischen immer mehr sportliche Erfolge erringen konnten, dass wir bei den Winterwettkämpfen regelmäßig mit auf den Siegertreppchen der hiesigen Meisterschaften stehen. In der letzten Wintersaison (2017/2018) haben wir Silber bei der Kreismeisterschaft geholt (Herren, Visierrecurve) und Bronze bei den Landesmeisterschaften Damen blank, Herren blank und Mannschaft Herren blank und ebenfalls bei der Berliner 2. Landesliga als Mannschaft.

2017 haben wir uns der internationalen Bogensport-Community mit einem Informationspavillon auf dem Finalgelände des Hyundai Word Archery Cups präsentiert. Wir haben diese Gelegenheit genutzt, auf die homophoben Vorfälle gegenüber unserem Verein seit 2013 hinzuweisen. Die Reaktion des Publikums zeigte uns, dass unser Auftritt sinnvoll war.

2018, eine Woche nun vor dem Hyundai World Archery Cup und in unmittelbarer Nachbarschaft von dessen Wettkampfstätte auf dem Maifeld des Olympiageländes Berlin, veranstalten wir: den 1. GBC Queer Cup Berlin Archery 2018!